Von einfühlsamen Geschenken und in Versuchung geratenen Katzen

Staunend nahm ich von meinen acht Konfirmandinnen und Konfirmanden in Pfingstrot gehaltene Geschenktüten in Empfang. Und plötzlich war er da, der Klos im Hals, am Vorabend der Konfirmation, denn in dem nun fast vergangenen Konfirmandenjahr waren mir die Jugendlichen sehr ans Herz gewachsen. Nach einer anfänglichen Zurückhaltung waren sie als Gruppe fest zusammengewachsen und ich stand vor der Aufgabe, sie loszulassen. Schon ab dem morgigen Pfingstfest würden sie als erwachsene Christinnen und Christen unsere Gemeinde und später andere durch ihr Wirken bereichern und mit gestalten. Ich seufzte tief, denn als „theologische“ Mutter war dieser Moment von so viel Stolz getragen: sie hatten mit mir (und manchmal auch gegen mich – so muss das sein!) um die Grundfesten unseres Glaubens und Wirkens als Christen gerungen und formten dabei ihre Zusage zu Gott in Jesus Christus.

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Raschelnd packte ich eine pfingstfarbene Geschenktüte nach der anderen aus. Dabei musste ich festzustellen, dass nicht nur ich meine Jugendlichen, sondern sie mich in den letzten Monaten gut kennengelernt hatten: Neben einer Gesichtsmaske, Naschereien, duftenden Gewürzen, Pediküre-Gutschein, Energy-Kaffee, Seidentuch, Badesalz und Co. waren auch meine geliebten (und verwöhnten) Katzen von einem Konfirmand bedacht worden. Lachend drehte ich die Verpackung der Katzenleckerei „Temptations“ (Versuchung) in meinen Händen hin und her, verstaute sie dann in der vorgesehenen Glasschüssel, damit sie frisch und immer bereit auf unserer Küchenanrichte standen.

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Als wenige Stunden später ein lautes Klirren das Pfarrhaus erschütterte, musste ich zähneknirschend beim Betrachten des Scherben- und Leckerli-Haufens feststellen, dass diese Versuchung wohl zu groß gewesen war. Anscheinend hatten meine Kater im Konfirmandenunterricht trotz fleissiger Anwesenheit bei den Geboten nicht gut aufgepasst. Sie sahen mir nun schuldbewusst zu, während ich die Scherben ihrer kleinen Gaunerei beseitigte. Im Gegensatz zu meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden mussten sie wohl eine weitere Runde Katechese über sich ergehen lassen, aber ob dies zum gewünschten Ergebnis führen würde, wage ich zu bezweifeln…

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Rassismus im neuen Kleid – 50 Jahre nach der Ermordung Martin Luther Kings

Aus einem Krug goss ich mir kaltes Wasser in das Glas und leerte es in großen Schlucken. Es gab nichts besseres als ein Glas kaltes, frisches Wasser, um Durst zu löschen. Als ich es leer zurückstellte, blieb meine Hand, aber auch meine Gedanken daran verhaftet. Am heutigen Todestag Martin Luther Kings dürstet die amerikanische Gesellschaft mehr denn je nach Gerechtigkeit jenseits von Hautfarbe und Nationalität. Noch nie war die amerikanische Gesellschaft seit der Bürgerrechtsbewegung (Civil Rights Movement) der 50er und 60er Jahre, die der Rassentrennung und Diskriminierung von Farbigen ein Ende setzen sollte, so gespalten wie 50 Jahre nach der Ermordung MLKs. Rassismus hat inzwischen neue, auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbare Kleider: mit den auffällig hohen Prozentzahlen an inhaftierten Farbigen prägt der „New Jim Crow“ als Nachfolger der Ausgrenzung von Farbigen nach den Bürgerrechtskriegen das gesellschaftliche Bild (1). Aber damit nicht genug. „Umwelt-Rassismus“ ist ein weiteres, hässliches und in vielerlei Weise schmerzhaftes Gesicht dieser brutalen Spaltung der amerikanischen Gesellschaft.

Das Wasserglas erinnerte mich bitter an diese Realität. Sauberes Wasser zu trinken, erscheint mir seit vor über einem Jahr, als ein engagierter Kollege in mein Leben trat, als ein großes Privileg. Daniel Moore arbeitet neben seinem Vollzeitberuf als Mechaniker in Flint, Michigan, auch als baptistischer Pastor in einem der wohl gefährlichsten Orte der USA (2). Die ehemalige blühende Industriestadt vor den Toren Chicagos war bis zu der Verlagerung der Produktion von General Motors (GM) in den 80er und 90er Jahren in das Ausland der größte Produktionsstandort des Auto- und Elektroriesen. Mit der Arbeitslosigkeit zog nicht nur Armut, sondern Kriminalität und Drogenhandel in Flint ein. Während die Gebildeten und Wohlhabenden schnellstmöglich die Stadt verließen, blieb die aufsteigende mittlere Unterschicht, die zumeist aus Farbigen bestand, zurück und wurde unweigerlich in eine Abwärtsspirale von Armut, Kriminalität und Drogen gezogen. Als im Januar 2015 über Nacht der Wassernotstand ausgerufen wurde, traf dies die Ärmsten der US-amerikanischen Bevölkerung. Immens hohe Bleiwerte hatten das Wasser über Jahre hinweg verseucht. Nun aber war dies nicht mehr zu verbergen. Das sonst Selbstverständliche für sie nicht mehr möglich: Wasser konnte weder getrunken, noch für die Zubereitung von Nahrung verwendet werden. Selbst Duschen und Wäschewaschen war untersagt. Nachdem die Obama-Regierung schnellstmöglich mehrere Milliarden an Soforthilfe verabschiedet hatte, geriet die Krise immer mehr in Vergessenheit, denn es traf eine einflusslose Schicht: Arme, arbeitslose Farbige. Dieser „Enviromental Racism“ (3) ist besonders subtil, denn er trifft diejenigen, die sich nicht wehren können. So auch das ungeborene Enkelkind meines Kollegen, das durch die unbewusste Bleieinnahme seiner Mutter schwerbehindert zur Welt kam.

Meine Bewunderung gilt dem Kollegen, der nun versucht in seiner Gemeinde ein Zeichen der Hoffnung gegen diese neue Form des Rassismus zu setzen: durch tägliche Ausgabe von hunderten von Litern Trinkwasser und durch ein engagiertes Jugendprojekt, das gefährdete Jugendliche eine Option jenseits von Drogen, Alkohol und Kriminalität aufzeigt.

Bittere Realität in einem Land, wo Rassismus und Ausgrenzung von anderen 50 Jahre nach der Ermordung von Martin Luther King längst der Vergangenheit angehören müssten.

 


(1) Michelle Alexander: The New Jim Crow. Mass Incarceration in the Age of Colorblindness, New York 2010.

(2) Glenn L. Starks: African Americans by Numbers. Understanding and Interpreting Statistics on African American Life, Greenwood 2017, S. 72: Laut FBI Daten, weist Flint, Michigan in 2011 die höchste Rate an Tötungsdelikten auf.

(3) Peter Emin: The Vanishing Class. Prejudice and Power in a Dual Economy, Cambridge, MA, 2017, S. 35-37.

Von Puppen, TV-Sendungen und notwendigen Tabubrüchen

Der Puppenladen in der Nähe der 5th Avenue platzte fast aus den Nähten. Aufgeregte Mädchen schoben sich gefolgt von den Blicken ihrer aufmerksamen Eltern an den neuesten Puppen und Accessoires vorbei. Auch ich folgte gehorsam meinen freudestrahlenden Töchtern, denn es war schließlich ein lang versprochener Ausflug in eine für sie bedeutsame Welt. Puppen eröffneten ihnen die Möglichkeit, im Spiel in die Rolle und Situation einer anderen Person zu schlüpfen. Dennoch war dieser Ausflug für mich in vielerlei Weise eine Herausforderung, denn in meiner Freizeit mied ich gerne Menschenmassen und Ansammlungen. Aber versprochen, war nunmal versprochen…

American Girl war in meinen Augen bis zu diesem Mutter-Tochter Ausflug eine Puppenfirma, die jegliche Vorurteile bestärkte: Schleifchen, Röckchen und allerlei Bling… – ein Rollenschema, das eher antiquiert Mädchen und Frauen in das angepasste Bild einer präemanzipierten Rolle drängte. Keine Ecken und Kanten. Dafür viel stereotypische Weiblichkeit ohne jegliche Tabus zu brechen.

Als meine Jüngste mich um die Ecke zur nächsten Auslage zog, wurde mein eigenes Vorurteil durch die sich vor mir ausgestellte Szene unvorhergesehen in Frage gestellt. Hier hob eine Puppen-Eisverkäuferin einen Portionierer in der linken Hand an, um einer Kundin das bestellte Eis zusammenzustellen. Die alltägliche Szene wurde von dem Aussehen der Puppen-Kundin durchbrochen, die an ihrer Haarlosigkeit erkennbar an Krebs oder einer anderen schweren Krankheit litt.

Nun war es mein eigenes Vorurteil, das in Frage plötzlich in Frage gestellt wurde. Als ich mich näher über die amerikanische Puppenfirma und ihr Angebot erkundigte, kam Ungeahntes zum Vorschein: American Girl verkauft Puppen in unterschiedlichen Hautfarben, die keine Haare besitzen und gibt den Besitzerinnen später die Möglichkeit, diese später einzusenden und kostenlos durch einen identischen Kopf mit Haarpracht zu ersetzen. Ein notwendiger und gleichzeitig heilender Tabubruch, der Krebs und andere Erkrankungen endlich für die breite Masse thematisiert und so die gedankliche Auseinandersetzung in Kinderzimmer transportiert.

Das Thema von Kinder- und Jugendkrebs zieht darüber hinaus seit Ende März mit der Netflix-Serie als niederschwellige TV-Sitcom „Alexa & Katie“ in den familiären Fernsehalltag ein. Die beiden Highschool Freundinnen scheinen auf den ersten Blick wie ganz normale Jugendliche, die sich auf ihr erstes Jahr in der weiterführenden amerikanischen Schule freuen. Als Alexa´s Krebserkrankung ihre alltäglichen Pläne durchbricht, überwinden die beiden Freundinnen die Herausforderungen der Erkrankung durch ihre Freundschaft und tiefgründigem jugendlichen Humor. Das Thema der Zuversicht zieht sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Folgen. Schwierige Themen einer Krebserkrankung, wie z.B. dem Ausfallen von Haaren oder der Einschränkung des Immunsystems, finden durch diese TV-Sendung geschickt ihren Weg in Wohnzimmer und Gedanken von Kindern, Jugendlichen und Unterhaltungen von Familien.

Man mag die Tiefgründigkeit dieser Tabubrüche durch Puppen und TV-Sendungen in Frage stellen, doch ist durch sie ein wichtiger und längst notwendiger Schritt getätigt worden: Schwere Erkrankungen wie Krebs werden durch diesen spielerischen und jugendgerechten Zugang ein Gesicht und eine Erfahrbarkeit jenseits der verschlossenen Welt der Erwachsenen gegeben.

Als unsere Tochter wenige Wochen später ihr Geburtstagsgeschenk auspackte, kam unter freudigem Jubeln des Geburtstagskindes eine haarlose, dunkelhäutige Puppe zum Vorschein. Wenige Tage später erkundigten wir uns nach dem Namen der neuen Zimmergefährtin. Während unsere Tochter ihre neue Puppe liebevoll an sich drückte, sagte sie strahlend: „Faith soll sie heißen.“ Und so fand Faith („Glaube“/“Zuversicht“), die aufgrund einer Krebserkrankung ihre Haare verloren hatte, ganz selbstverständlich den Weg in die liebevollen Arme und das Herz der frischgebackenen Puppenmama.

Vulkan-Eier, Erdbeben und Osterjubel

Voller Angst klammerten sich die drei Frauen aneinander während ein Erdbeben die steinige Umgebung des Gräberberges erschütterte. Die sonst unerschütterlichen römischen Wachen fielen vor Angst wie tot um.

Nach dem Bericht des Evangelisten Matthäus platzte die Nachricht der Auferstehung Jesu (Mt 28,1-8) in das Leben seiner Nachfolgerinnen wie ein alles erschütterndes Naturereignis. Unklar bleibt innerhalb des biblischen Berichtes, um welches faktische Ereignis es sich genau gehandelt hatte. Diese Ungenauigkeit beflügelte just die Fantasie der naturwissenschaftlich Interessierten unserer Familie. Was, wenn es sich wie in Pompeji, als Ursache um die Vorstufe eines sich anbahnenden Vulkanausbruch handelte? Dann musste die Osterkrippe unbedingt um dieses Vulkan-Accessoires erweitert werden.

Gesagt, getan. Kurze Zeit später thronte unmittelbar neben dem offenen Grab ein Vulkan. Aufgrund der österlichen Szene selbstverständlich als explosionsgefährdetes Vulkan-Osterei, das die Erklärungsnot der naturwissenschaftlich interessierten Familienmitgliedern befriedigte.

Jetzt konnte es endlich Ostern werden und der Engel den Frauen die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu verkünden.


Herstellung der Vulkan-Eier:

Anbei ein kleiner Videolink zur Herstellung eines Vulkan-Eis.

Biblische Ohrfeige am Spülbecken

Weißer Schaum quoll aus dem gelb-blauen Spülschwamm. Ich stand bereits einige Zeit fleißig spülend über dem tiefen Spülbecken gebeugt. Doch der Berg an dreckigen Kuchenformen, Schüsseln und Geschirr baute sich nur langsam ab. Der Anblick rief bei mir keine Begeisterung, geschweige denn ein Lächeln hervor. Mir war eher zum Weinen zumute. Aber es half nichts.

Wie gut, dass der neue Spülschwamm so gut zu Diensten war. „Scrub Mommy“ stand auf der schrillen orangefarbenen Verpackung als ich vor wenigen Tagen an einem Supermarktregal vorbeilief. Flux fand der Artikel im Vorübereilen einen Platz in meinem Einkaufskorb. Man konnte ja nie wissen…

Nun lachte ich still in mich hinein. „Scrub Mommy“. Nomen est omen. Jetzt schrubbte ich, dass die Spülseife nur so aus dem Schaumstoff hervorquoll.

Während ich vor mich hin jammerte und mein Dasein als “ Schrubb-Mama“ der letzten Backorgie meiner Kinder bedauerte, fixierte mein Blick unseren Besteckkorb, der wie unser Kühlschrank gefüllt und fertig für den Verzehr von Speisen und des im Ofen befindlichen Backwerks stand.

Hungern mussten wir nicht, noch uns darum sorgen, was wir am kommenden Tag essen würden. Dies ist für viele andere Menschen keine Selbstverständlichkeit- hier in den USA kenne ich einige Familien, die sich sorgen, wie sie ihre Kindern am nächsten Tag ernähren konnten. Meine Hand hielt überrascht mitten im Spülen inne während eine Bibelstelle sich in den Vordergrund meiner Gedanken schob.

Jesus Christus hob in der Bergpredigt (Lk 6) Menschen hervor, die aufgrund ihres niedrigen sozialen Standes und ihres Schattendaseins in der Gesellschaft übersehen werden. Ihnen wird in einer konsumorientierten und von Hierarchie geprägten Gesellschaft keine Aufmerksamkeit geschenkt. Der Gottessohn aber wendete sich gerade diesen Ausgegrenzten, Marginalisierten und Benachteiligten zu und stellte sie in den Mittelpunkt göttlicher Verheißung. So auch diejenigen, die Hunger leiden: „Selig seid ihr, die ihr hungert; denn ihr sollt satt werden.“ (Lk 6,21).

Und ich klagte über das bisschen Abspülen? Eine derbe und unvorhergesehene Erinnerung an das, was wirklich wichtig und bedeutend war. Anstatt in „Erste-Welt-Probleme“ zu versinken, sollte ich das Notwendige schnell hinter mich bringen, um meine Kraft denen in meinem Umfeld zuzuwenden, von denen Jesus in der Bergpredigt sprach.

Plötzlich verstummte alles Jammern in mir. Ich nickte still in mich hinein. Diese biblische Ohrfeige am Spülbecken saß.

Ich tauchte den Schwamm tief in das Spülwasser ein und widmete mich doppelt so schnell dem dreckigen Geschirr um meine Zeit wichtigerem zuwenden zu können.

Kuriose Büros, stille Örtchen und mancherlei menschliche Geschäfte

Zimt und Vanilledüfte erfüllten vielversprechend das kleine Café, das mitten im Herzen Chelseas lag, als ich durch die unscheinbare Tür hindurch trat. Der langgezogene Gang lockte mich magisch in das Innere vorbei an verlockenden süßen und salzigen Gebäckstücken. Unweigerlich lief mir das Wasser im Mund zusammen.

Wie zumeist bestellte ich die vertrauten Dinge und machte es mir im hinteren Teil des Cafés mit den soeben erstandenen Leckereien gemütlich. Bunte Farben waberten über dem neugestalteten Gastbereich hin und her und unterstrichen den vielschichtigen Duft frischer Backwaren.

Mein Blick schweifte umher und blieb mit einem Schmunzeln am frisch gestrichenen Büroschild hängen. Ob andere Besucher wüssten, welches besondere Büro sich hinter dieser Tür befand? Ich lachte still in mich hinein.

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Selbstverständlich wurden in diesem Büro wie in jedem anderen Geschäfte abgewickelt. Manche leise, manche geräuschvoll. Einige ohne Spuren zu hinterlassen, andere hingegen … Nun ja… Dieses Büro war ein stilles Örtchen für so manches Geschäft.

Bleibt nur zu hoffen, dass keine anderen Geschäfte darüber hinaus dort abgewickelt wurden. Und die Spuren der erledigten menschlichen Geschäfte mit einem Zwischenstop am kleinen Waschbecken fein säuberlich den Abfluss hinuntergespült worden waren.

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Von kreativen Valentinstagsgeschenken und kuriosen Liebesbotschaften

Die Tage wurden langsam länger. Nach einem kalten Winter sehnte ich mich nach wärmeren Temperaturen, Sonnenlicht und einem ausgiebigen BBQ im Freien.

Auch in den Geschäften kündigten sich langsam wärmere Temperaturen an, die sich zunächst von innen einen Weg in das graue Februareinerlei bahnten. Valentinstag. Jenseits des inzwischen allseits präsenten Kommerzes um eine katholische Heiligensage bot dieser Tag zugegebener Maßen eine gute Gelegenheit, es lieben Menschen nah und fern etwas warm ums Herz werden zu lassen bis schließlich in wenigen Wochen auch die äußeren Temperaturen anstiegen.

Aus diesem Grund hatte es mich in eine kleine Drogerie gelockt, um dort eine Karte für liebe Freunde zu erstehen. Nach eifrigen Stöbern durch mehrere rosa-rot und pink bis zum Bersten gefüllte Kartenregale wurde mein Blick durch die Magie schlauer Regalstrategen auf eine Auswahl von Valentinsgeschenke gezogen. Neben flauschigen Herzkissen, Süßigkeiten in Rosenform und Küssen aus Schokolade, prangte im Regal in satten Brauntönen ein Exkrementehaufen, der mir erwartungsvoll lächelnd entgegenblickte.

Der glückliche Käufer konnte den in Form von menschlichen Ausscheidungen gestalteten Prozellanbehälter mit roten Herzgummibärchen füllen und einer ausgewählten Person überreichen, um seinen Gefühlen einen unvergeßlichen Ausdruck zu verleihen. Ob der künstliche Kirschgeschmack den Beschenkten über den Schock des Behälters und der impliziten Botschaft hinwegtrösten würde?

Als Ausdruck tiefer Liebe würde ich dieses einzigartig kreative Valentinsgeschenk einem Geschenkesuchenden nicht anempfehlen. Jedenfalls nicht, wenn es sich um einen Ausdruck innigster Liebe handeln sollte.

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