Leben im alltäglichen Kriegszustand

Ein Tag wie jeder andere. Business as usual. Auf der Höhe des Sommers beginnen die Vorbereitungen für das bevorstehende Schuljahr. Sonderangebote für Schulausstattung, Rucksack & Co. schwemmen die heimischen Briefkästen und locken allerlei Schnäppchenjäger in die gut klimatisierten Einkaufszentren in den USA.

Auch wir als Pfarrfamilie waren auf dem Weg zum Shopping für das kommende Schuljahr. Der alte Rucksack unseres jüngeren Sohnes hatte nach langem treuen Dienst im wahrsten Sinn des Wortes die Fassung verloren und daher ausgedient. Obwohl das Angebot verlockend war und aufgrund meines Urlaubes ein großzügiges „Zeitbudget“ uns zum Verweilen verleitete, „trieb“ ich meine kleine Herde an Kindern durch die wenig frequentierte Einkaufsstraße. Immer mit einem schnellen Blick über die Schulter, schmerzte das so alltäglich unvoreingenommene und unschuldige Bild meine Augen: Lachend und scherzend hüpften meine drei Kinder nebst Besuchskind über den Gehsteig während mein Sohn stolz mit dem Einkauf in der Hand vor mir herging. Noch wusste er zu diesem Zeitpunkt nichts von den wenige Stunden zuvor geschehenen Shootings in El Paso, Texas und Dayton, Ohio. Hierüber würden wir wenig später in der Familie vorsichtig sprechen.

Für mich als Mutter brach in Übersee zunehmend eine makabere Form der Realität herein während in atemberaubender Geschwindigkeit die Nachrichten über Waffengewalt wie eine große Welle der alltäglichen Angst vor einem systemisch und institutionell ermöglichten Kriegszustand über mir zusammen schwappte.

Das Jahr 2019 war gerade einmal 216 Tage alt (Stand 4. Aug 2019) und zählte bereits 255 Massenshootings. Die Zahl der tödlichen Schießereien war inzwischen signifikant höher als das Jahr an Tagen zählte. In weniger als 24 Stunden waren 29 Menschen zu Tode gekommen. Unter ihnen Eltern wie wir, die mitten im Einkauf für den Schulanfang plötzlich aus dem Leben gerissen worden waren.

Was für uns Deutsche unvorstellbar ist, ist in USA durchaus denkbar: Der Besitz von Schusswaffen – manche Familie besitzt sogar ein Sturmgewehr und stellt dies stolz auf seinem Auto zur Schau. Als auf dem Weg zum Einkauf ein typisch amerikanischer Pick-Up mit einem stolz positionierten Aufkleber vor mir fuhr, konnte ich die in mir aufkommende Übelkeit nur mit Mühen unterdrücken.

Es gab durchaus Zeiten, in denen auch in USA eine (wenn auch zaghafte) Kontrolle von Waffenverkäufen durchgesetzt worden war. 1994 wurde unter der Präsidentschaft von Bill Clinton ein Gesetz zur Kontrolle von Gewaltverbrechen in Kraft gesetzt, das das Verbot von Sturmwaffen wie der im letzten Shooting verwendeten AR-15 Riffle umfasste. Die Herstellung, der Verkauf und der Besitz bestimmter Waffen, die für den Kriegseinsatz bestimmt worden waren, wurde durch dieses Gesetz unter strenge Regulierung gesetzt. Das Verbot lief stillschweigend im September 2004 aus und spielte der mächtigen National Rifle Association (NRA), die in signifikanter Weise das politische und gesellschaftliche System der USA beeinflusst, in die Hände.

Durch ein sogenanntes „Manifest“ ist belegt, dass das Shooting in El Paso, Texas, einen rassistischen Hintergrund hatte: Der junge Täter wollte seine amerikanische Heimat vor der Flut mexikanischer Immigranten schützen und diese durch seine Tat „reinigen“. Ihn trieb die Sehnsucht nach einer von „Weißen“ dominierten und „rassenreinen“ USA und verbreitete Äußerungen des gegenwärtigen Präsidenten, dessen Worte vielfach rechte Tendenzen aufweist.

Einst gebannte Worte und kritisiertes Gedankengut wird zunehmend in Übersee geduldet. Hinzu kommt eine Normalisierung von Gewalt, die aufgrund der überwältigenden Vielzahl in den USA eintritt, die mich unruhig werden lässt. Auch wenn man mich schon mehrfach davor gewarnt hat, voreilig Schlüsse zwischen unserer deutschen Geschichte und der gegenwärtig in Übersee vorfindlichen Situation zu ziehen, so läuft es mir dennoch kalt den Rücken herunter: Als Deutsche wissen wir, wohin rassistisch motivierter Menschenhass und eine gleichzeitig stattfindende Normalisierung von Gewalt führen kann. Solang die USA das Thema des Rassismus und der Waffengewalt auf höchster Ebene nicht glaubwürdig und stringent angeht, bewegt sich das sogenannte „Land der Freiheit“, das sich selbst als Verteidiger der Demokratie versteht, auf einen gefährlichen Abgrund zu.

Ein Schauer lief eiskalt meinem Rücken hinunter während ich die fröhlich lachende und lärmende Kinderschar vor mir hertrieb, um sie schnellstmöglich wieder in der Sicherheit des Familienautos zu wissen. Das Bild der Mutter, die ihr Kind beim Einkauf vor dem plötzlich niederprasselnden Kugelhagel geschützt hatte und hierdurch ihr Leben gelassen hatte, ging mir nicht aus dem Kopf. Diese Person hätte ich sein können. Vielleicht heute. Vielleicht morgen? Beim Einkauf um die Ecke…

Es fühlt sich wie ein Leben im Kriegszustand an: Wir können in USA nur noch mit einem suchenden Blick über der Schulter unseren Alltag meistern. Immer mit dem Gedanken einer möglichen, nicht kontrollierbaren Gefahr auf dem Herzen, dass der Tod in Form eines verrückten, radikalisierten Menschen um die nächste Ecke biegt.

 

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Wenn Blut und Schweiß anderer Menschen Hände an dem Objekt der kapitalistischen Begierde klebt

Meine Augen schweiften genüßlich über die Auslage des Supermarktes. Prächtiges Erdbeerrot, dunkles Kirschrot, saftiges Himbeerrot und kühles Blaubeerblau reihten sich in der Obstauslage zu einem käuflichen Kunstwerk für Fruchtliebhaber zusammen. Während wir in meiner fränkischen Heimat wenig über die Kosten des dort angebotenen Obstes nachdachten, so ist die Situation in New York eine völlig andere. Erschwingliches Früchte wie Erdbeeren & Co. sind eine Seltenheit. Noch tiefer müssen wir in die Tasche greifen, wenn diese aus ökologischem und fairen Anbau stammen sollen. Ich seufzte still in mich hinein, während meine Töchter mit begeisterten Worten nach der einen oder anderen Portion des gewünschten Obsts fragten.

„Clean Food“ („sauberes“, also ökologisches und aus fairem Handel stammendes Essen) fordert für eine Vielzahl von Konsumenten in Übersee, und damit auch für uns als Pfarrfamilie, einen Verzicht an anderer Stelle. Gesundes Essen ist teuer. Der zu zahlende Betrag für ethisch korrektes Essen schmerzt zumeist deutlich. Nur wenige können sich eine solche Ernährung in USA einfach so leisten. Die klare und bestimmte Stimme von Lisa Kristine, einer humanitären Fotografin, aber bestärkte mich, während meine Hände nach den reifen Früchten griffen: „We all participate in slavery by what we buy and eat.“

Am Vorabend zum „World Day Against Trafficking in Person“ hatte die ständige Vertretung des Vatikans an den Vereinigten Nationen zu einer Konferenz gegen modernen Sklavenhandel eingeladen. Neben kirchlichen Würdenträgern war es vor allem der Bericht von Lisa Kristine, die von ihrer Arbeit als humanitärer Fotografin berichtete und deren schockierende Bilder den Atem aller Teilnehmenden zum Stocken brachte. Gegenwärtig befinden sich über 41 Millionen Menschen weltweit in unterschiedlichen Formen der Sklaverei, die von Backsteinherstellung, Fischfang, Goldgewinnung bis zu Heiratszwang und Prostitution reicht. Die Betroffenen sind überwiegend Frauen und Minderjährige, wobei die Zahl der sich im Menschenhandel befindlichen Personen in den letzten Jahre signifikant zunahm. Mit dem weltweiten Anstieg des puren Kapitalismus wächst eine Ausbeutung der bereits benachteiligten Bevölkerungsschichten. Nachdenklich hielt Lisa Kristine in ihren Worten inne und schüttelte den Kopf während die Worte zur Einschätzung dieser zunehmenden Wirtschaftsform aus ihr herausflossen: „The value is not in the human being – the value is only in the profit.“

Schwester Melissa Camardo, SCL, und Anna Noreen, Überlebende, berichteten von einem Projekt von „Talitha Kum“ für Frauen, die durch Menschenhandel in Not geraten waren, das mitten in New York City diesen Personen Heimat, Unterkunft und Perspektiven für die Zukunft schenkte.

Der weltweite Gedenktag gegen Menschenhandel („World Day Against Trafficking Persons„) , der am heutigen 30. Juli, begannen wird, sollte uns nachdenklich machen in unseren alltäglichen Entscheidungen. Während wir vielleicht billiges Obst, Kleidung oder Schmuck einkaufen, sollten wir uns vergegenwärtigen, dass für dessen günstigen Preis das Blut und der Schweiß anderer Menschen Hände an dem Objekt unserer kapitalistischen Begierde klebt. Denn dann werden wir alle zu Mittätern, die Menschenhandel und Sklaverei nicht nur zulassen, sondern durch unsere Habgier befördern.

 

 

 

 

Von neuen Traditionen, Inklusion und Hoffnung

Der getöpferte Abendmahlskelch in dunklen Kobaltblau hatte mein Herz umgehend erobert. Jedes Mal, wenn ich zu einem Bummel im kleinen Töpferladen vorbei kam, glitt mein Auge sehnsüchtig im Regal zu diesem wunderschönen Kunstwerk. Als Studentin war der Geldbeutel eng geschnürt und der Kauf daher wohl überlegt. Einige Wochen später konnte ich dank einiger Sparmaßnahmen an anderer Stelle den Abendmahlskelch endlich mein Eigen nennen. Jahre später wurde er schließlich durch ein Geschenk meiner Schwiegereltern komplimentiert: Neben einem Abendmahlskelch fand nun das Brot einen festlichen Platz auf dem großen Abendmahlsteller, der in schlichten Braun-, Weiß- und Blautönen gehalten war. Auf beiden prangten Fische, die wir als Symbole auf unseren Hochzeitseinladungen und Eheringen gewählt hatten.

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Seit einigen Jahren verwenden wir dieses Trio töpferischer Kunstwerke während Abendmahlen, die in unserem Pfarrhaus stattfinden. Der dunkle Kelch wird hierbei stets mit Traubensaft gefüllt, der in Brautönen gehaltene ist hierbei für den Abendmahlswein vorgesehen.

Ich staunte nicht schlecht, als ich bei einem Besuch des Jewish Museums einen Kelch vorfand, der in kostbaren Silber gehalten und meinen Namen trug. Die Begegnung mit dem Miriams Kelch als einer neuen jüdischen Tradition während des Pessachfestes lies mich die lieb gewonnenen Abendmahlsgeräte in meinem eigenen Haus in einem neuen Licht aus jüdischer Perspektive sehen.

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Der von Amy Klein Reichert hergestellte „Miriams Cup“ informierte in der Ausstellung des Museums über eine neue feministische Strömung innerhalb des Judentums. Diese nahm in den 1970er Jahren ihren Ursprung und machte sich stark macht für eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in Führungspositionen und Ritualen. Dieses neue rituelle Gefäß entsprang der Idee einer „Rosch Chodesh“ Gruppe (1) in Boston im Jahr 1989 und fand bald große Annahme und Verbreitung:

Die biblische Figur der Miriam wird schon seit langer Zeit in der jüdischen Tradition mit Wasser assoziiert: In die Ströme des Nils wurde ihr kleiner Bruder Mose ausgesetzt während sie ihm bis zur ägyptischen Prinzessin folgte. Nach dem Durchzug durch das Rote Meer war es ihre Stimme, die zum Lobe Gottes singend aufrief. Aufgrund einer Erzählung im Buch Numeri (2), vertrocknete dieser nach ihrem Versterben. Viele Rabbiner schreiben ihr daher den Brunnen zu, der laut jüdischer Überlieferung den Israeliten auf ihrer Wüstenwanderung gefolgt war. Die Erzählungen rund um den Miriams Brunnen schenken jüdischen Glaubensgeschwistern ein Zeichen der Hoffnung. Denn wie Gott durch die Prophetin Miriam, an deren Wirken und Person der Brunnen geknüpft war, in der Wüstenzeit lebensnotwendige Wasser gespendet hat, so tut Er dies auch in gegenwärtigen Herausforderungen für Gläubige. Aufgrund der Tradition rund um den Miriams Brunnen und seine Symbolkraft fand der Miriams Kelch als Verkörperung dessen zu Tisch vor allem reformierten jüdischen Gemeinschaften als neue rituelle Komponente Eingang in das Seder-Mahl Eingang. Hierbei wird das neue rituelle Gefäß mit Wasser in Anlehnung an die Miriams-Geschichte gefüllt.

Bis dato gibt es keinen festgelegten rituellen Ort für diesen zweiten Kelch. Es sei jedoch an dieser Stelle angemerkt, dass eine Verwendung zu Beginn des Seder-Mahles besonders beliebt ist. Der Gebrauch am Beginn dieses wichtigen jüdischen Mahles setzt hierdurch ein Zeichen der Inklusion . Durch die Verwendung zweier Kelche, des Miriams Kelches zu Beginn und des Elijah-Kelches am Ende, wird weiterhin ein der Bogen von Hoffnung in der Gegenwart und gerechter Teilhabe zur eschatologischen Hoffnung geschlagen.

Nachdenklich betrachte ich meine beiden Abendmahlskelche, die ich durch jüdische Rituale und die Traditionsgeschichte der Prophetin Miriam, nach der ich benannt worden war, in einem neuen Licht sehe. Diese neu gewonnene Perspektive aus dem Judentum wird mich begleiten, während die über Jahrzehnte lieb gewonnen Abendmahlsgeräte mich, meine Familie und meinem Dienstort weiterhin als Symbole der gegenwärtigen und zukünftigen Hoffnung begleiten werden.


Wer solch schöne Töpferkunst für seinen eigenen Abendmahlstisch oder auch für den ganz normalen Hausgebrauch haben will, wird bei der Töpferei im Chausseehaus fündig.

(1) Rosch Chodesch ist der erste Tag des jüdischen Monats, der am Neumond beginnt. In den letzten Jahren haben jüdische Frauen zunehmend diesen Feiertag wieder für sich entdeckt und besonders sein Potential als Frauentradition. An vielen Orten wurden Rosch Chodesch Gruppen gegründet, um diesen Feiertag zu begehen und auch neue Liturgien oder Rituale zu entwickeln, miteinander zu singen, zu lernen, zu erzählen.

(2) Num 20,1-2

 

Wie ein Traum wird es sein

Wunderbare Stille umgab mich, während mich der Anblick abertausender Tauben in die kühle Kirche zog. Magisch zog mich der Anfang dieser unerwarteten Vogelschar bis zum in schlichten Weiß und Grün gehaltenen Altar, in dessen Nähe sie wie aus Geisterhand erschienen und leise im sanften Windhauch des Kircheninnenraums in Richtung Portal und Freiheit flogen.

An diesem Sonntagnachmittag hatte mich mein Spaziergang an die „Church of Heavenly Rest“ an der Upper East Side geführt. Die Kunstausstellung „Les Colombes“ des deutschen Künstlers Michael Pendry , die bereits in San Francisco, Salisbury, London, Jerusalem, München und Burghausen zu bestaunen war, raubte mir bei dessen Anblick fast den Atem. Nun war die Ausstellung, die auf die Thematik der in den USA vorliegenden Massen-Inkarzerierung aufmerksam machen will, auch in New York zu bestaunen.

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Mein Blick schweifte von einer Taube zur nächsten, während ich einige Botschaften ihrer Künstler entdecken konnte: von Frieden war darauf zu lesen und Freiheit. Manche waren geschmückt mit kleinen Symbolen, die ihnen spielerische Leichtigkeit verliehen. Das blaue Licht tauchte diese abertausenden ungewöhnlichen Vögel in ein magisches Licht. Traumblau. „Wie ein Traum wird es sein, wenn der Herr uns befreit zu uns selbst und zum Glück seiner kommenden Welt“, so besingt es ein Lied Lothar Zenettis.

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Wie ein Traum wird es sein, wenn das System der Masseninhaftierung in diesem sich oft stolz selbst als „Land der Freiheit“ bezeichnenden Vereinigten Staaten von Amerika ein Ende hat. Michelle Alexander hat in ihrem Buch „The New Jim Crow“ auf die systematischen Freiheitsberaubung und die „Cradle to Prison Pipeline“ im größten Einwanderungsland der Welt mit schockierenden Details hingewiesen. Laut des „Southern Poverty Centers“ befinden sich rund 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern. Dies entspricht seit 1972 einer Zunahme um 1,9 Millionen. Damit liegt in den USA die weltweit größte Gefängnisbevölkerung vor. Darüber hinaus stehen ca. 7 Millionen Menschen – etwa einer in 31 – unter der Aufsicht des Strafvollzugssystems, entweder in Haft oder auf Bewährung. Die von Alexander als „New Jim Crow“ bezeichnete systematische und kapitalisierte Ausweitung der Inhaftierung ist das direkte Ergebnis eines gescheiterten, jahrzehntelangen Drogenkrieges und einer „Law and Order“ -Bewegung, die in den Unruhen der späten 1960er Jahre kurz nach der Ära der Bürgerrechte begann. Dieses System ist von enormen Rassendisparitäten geprägt, in der vor allem junge farbige Personen stigmatisiert und im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen in härterer Weise bestraft werden. Die Zahl der inhaftierten afroamerikanischen Männer, die keinen Highschoolabschluss vorweisen können, ist hierbei besonders bedrückend.

Wie ein Traum wird es sein… So besingt es das Lied von Lothar Zenetti. Die Tauben als Zeichen des Friedens und der Hoffnung singen gegenwärtig an der Upper Eastside von diesem Traum in stiller und umso eindrücklicher Weise. Einer Hoffnung, die so wie ihr Weg vom Altar aus symbolisch hinaus in die Welt führt, ihren Anfang und ihre Inspiration in Jesus Christus als Gottes Sohn und Friedenskönig entspringen kann.

Mögen auch wir zu solchen Friedenstauben werden, die diese Hoffnung hinaus in die Welt und das Leben anderer tragen.


Ein kleines Video zu dieser eindrücklichen Kunstausstellung kann unter dem folgenden Link eingesehen werden.

Resurrection Rolls – „Auferstehungs-Weckla“ aus den amerikanischen Südstaaten

Die „Resurrection Rolls“ sind eine wunderbare Tradition aus den amerikanischen Südstaaten. Das Marshmallow steht stellvertretend für Christi Leib, der an Karfreitag zur Ruhe gelegt wurde. Der nach dem Backen entstandene Hohlraum ist ein Symbol für das leere Grab. Der süßlich-zimtige Geschmack, den das geschmolzene Marshmallow hinterlässt, steht für den freudigen Wohlgeschmack, dass Jesus unsere Sünden durch Seinen Tod auf sich nahm und wir befreit dem ewigen Leben entgegenblicken dürfen.

Eine Video-Backanleitung findet ihr unter diesem Link.

Zutaten Teig
20g frische Hefe
1 Teelöffel sowie 75 g Zucker
118 ml lauwarmes Wasser
113 g weiche Butter
118 ml warme Milch
1 großes Ei
3/4 Teelöffel Salz
480 g Allzweckmehl

Herstellung Teig
Schritt 1
Fügen Sie Hefe, warmes Wasser, geschmolzene Butter, Milch, Ei, Salz, restlichen Zucker und 240 g Mehl hinzu und rühren Sie die Zutaten bis ein glatter Teig entstanden ist. Fügen Sie so viel Mehl zu, dass ein weicher Teig entsteht.

Schritt 2
Geben Sie den Teig auf eine bemehlte Oberfläche und kneten Sie ihn bis er glatt und elastisch ist (etwa 6-8 min). Geben Sie den Teig in eine gefettete Schüssel und wenden Sie ihn einmal, um die Oberseite zu fetten. Teig abdecken und an einem warmen Ort aufgehen lassen, bis sie sich verdoppelt hat (ca. 1 Stunde).

Schritt 3
Kneten Sie den Teig und geben Sie ihn auf eine leicht bemehlte Küchenplatte. Dann teilen Sie den Teig in zwei Teile, formen jeweils eine Teiggugel, die Sie zu einem ca. 30 cm großen Kreis auswellen. Nun unterteilen Sie die Rollen jeweils in 12 Teilstücke.
Zutaten Füllung
12 große Marshmallows
113 g geschmolzene Butter
57 g Zucker
2 Esslöffel Zimt 2

Herstellung „Resurrection Rolls“ / „Auferstehungs-Weckla“

Schritt 1
Zucker und Zimt in einer kleinen Schüssel mischen.

Schritt 3
Die Marshmallows in geschmolzene Butter und dann der Zimt-Zucker-Mischung rollen. Legen Sie den Marshmallow in die Mitte eines nicht gerollten Teigstücks und rollen Sie den Marshmallow so lange, bis er vollständig vom Teig bedeckt ist, und drücken Sie dabei die Seiten entlang. Achten Sie darauf, dass die Enden an beiden Seiten gut zusammengedrückt und verschlossen sind.

Schritt 4
Nun legen Sie das Gebäck auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech. Backen Sie die „Auferstehungs-Weckla“ bei 180C etwa 12 min. im Umluftherd.

Schritt 5
Unmittelbar nachdem Sie die „Auferstehungs-Weckla“ aus dem Ofen genommen haben, streichen Sie sie mit der restlichen zerlassene Butter ein und bestreuen Sie sie mit der restlichen Zimt-Zucker-Mischung. Am besten noch warm servieren.

Ein gesegnetes Osterfest und guten Appetit!!!

Von mutigen Freiheitskämpfern

Es war als ob ein rauher Faden durch meine leeren Hände glitt. Meine Augen starten wie gebannt auf die liebevolle Stickerei eines unbekannten jungen Mädchens, das vor über hundert Jahren dieses Stickbild aus Dankbarkeit hergestellt hatte. Nur zu gut kannte ich die Bewegung des Kreuzstichs. Schon hunderte Male hatten meine Hände die Bewegung im Grundschulalter vollführt während ich diesem geliebten Hobby nachging. Während Nadel und Faden aufgrund von Zeitmangel schon bald der Vergangenheit angehörten, war ich an diesem Vormittag seltsam bewegt während mich das abgebildete stereotypische Bild in sonderbarer Weise gleichsam berührte und verstörte. Die Stickerei war 1882 an den berühmten farbigen Freiheitskämpfer und Schriftsteller Frederick Douglass von einem Mädchen als Zeichen der Dankbarkeit geschickt worden. Zwei farbige Personen tanzten umrahmt von der Aufschrift „Any holder but a Slave holder“ auf orangefarbenen Hintergrund.

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Die gegenwärtige Ausstellung „Black Citizenship in the Age of Jim Crow“ der New-York Historical Society gibt tiefe Einblicke in die Geschichte des US-amerikanischen Rassismus und des Versuches, diesen zu überwinden. Die kleine, zunächst unscheinbare Stickerei hatte mich auf einer emotionalen Ebene aufgrund ihrer Alltäglichkeit besonders beeindruckt. Der fast bis zur Gegenwart (man denke an „Aunt Jemima Sirup“!) übliche Stereotyp „Jim Crow“ fand in dieser gut gemeinten Stickerei ebenso Verwendung. So tief hatten sich diese Vorstellungen im gesellschaftlichen Gedächtnis eingebrannt. Der Ausdruck Jim Crow war in den USA im 19. Jahrhundert die Bezeichnung für das Stereotyp eines tanzenden, singenden Schwarzen.

Der Freiheitskämpfer und Schriftsteller Frederick Douglass (1918-1895), der als Sklave geboren und durch eine mutige Flucht die Freiheit erlangte, inspirierte viele in diesem schweren Kampf um Freiheit und Gleichheit, die allen Geschöpfen Gottes gelten sollte.

Mehr dazu in meinem Sonntagsvlog: https://youtu.be/U2zCakm_UGk

Eine gesegnete Woche euch allen und liebe Grüße aus New York!

2019-02-10 Von mutigen Freiheitskämpfern