Von Altären, Wifi-Verstärkern und der Verbundenheit mit Gott

Spät am Abend schlurfte ich den hell erleuchteten Flur des Studentenwohnheims entlang. Ein spannender, aber auch anstrengender Seminartag lag hinter mir. Das Geräusch meiner Schritte lies den schmucklosen Flur noch leerer Erscheinen. Jetzt brauchte ich dringend eine Kraftquelle. Mein Blick suchte beim Gehen nach irgendeinem visuellen Halt in dem grauen, neutralen Flur auf dem Weg zum Zimmer als mein Blick plötzlich an einem Wifi-Verstärker hängen blieb, der an der Decke montiert war. Vier Antennen wie Hörner standen vom Gerät ab und ragten mutig in das graue Einerlei. Unversehens musste ich an Mose denken und leise in mich hinein schmunzeln. Als die Israeliten auf dem Weg in das gelobte Land waren, erging an Mose der göttliche Auftrag, einen Altar nach genauen Maßen zu bauen (Ex 27,1-8). An seinen vier Ecken sollten Hörner angebracht sein, die ihn mit dem Altar als dem Allerheiligsten und der Präsenz Gottes verbunden waren.

2017-05-17 21.56.16

Der von Gott beauftragte Altar sollte den Israeliten die Möglichkeit geben, mit ihrem Gott in direkter Verbindung zu sein. Heute könnte man vielleicht stattdessen als moderne Metapher das Bild eines Wifi-Verstärkers wählen. Durch die Empfangsantennen, die wie Hörner hervorragen, sind wir mit Gott verbunden. Das göttliche Wort wird durch sie in die jeweils eigene Situation geschickt. Aber auch Signale von uns können durch die Antennen an die Station weitergeleitet und verarbeitet werden. Was dann weiter geschieht, bleibt außerhalb unseres Machtbereiches.

Nun hatte ich es auf einmal eilig. Meine Schritte wurden mutiger und zielgerichteter, denn ich wusste nun, was mich stärken konnte: ein Gebet, ein Gespräch mit Gott. Wie gut, dass mich der Wifi-Verstärker daran erinnert hatte.

 

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