Von Zwischenwelten, Gästen und Fremdlingen

Unsichtbarer Geräuschnebel umgab uns während sich das Passagierflugzeug mit über 900 km/h unserem gegenwärtigen Wohnort in New York unaufhaltsam näherte. Die geschlossene Wolkendecke, die sich außerhalb des ovalen Fensters strahlend weiß wie ein perfekter Teppich erstreckte, schien sich von dieser Hast nicht beeindrucken zu lassen und gähnte mir als wohlbekannte Zwischenwelt entgegen.

Wie so oft in meinem Leben befand ich mich zwischen zwei Welten – dieses Mal mit meiner Familie auf dem Rückflug von drei intensiven und gesegneten Wochen Heimaturlaub. Nicht mehr in Deutschland, noch nicht in den USA. Zwischenwelten-Dasein.
Ein Zustand, den ich von klein auf gut kenne, da meine Identität aufgrund meiner bilingualen Erziehung nicht völlig einem Land, einer Kultur und Sprache zugehörig war. Vielmehr mehreren gleichzeitig. Oftmals löste dies bei meinen Gegenüber ein Fremdheitsgefühl aus und ich fühlte mich zumeist eher als Gast, manchmal sogar als eine eher geduldete Fremde.
Der Apostel Paulus findet tröstende Worte für alle "Zwischenweltler", Fremde und Gäste, die das fehlende Zugehörigkeitsgefühl vermissen:

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.
(Eph 2,19-22)

Überall dort, wo sich Menschen auf diesem sicheren Grund bewegen, werden aus Gästen und Fremden gleichberechtigte Mitbürger.
Plötzlich verlor dank der paulinischen Worte, die meine Gedankenwolken in mein Bewusstsein gespült hatte, die Zwischenwelt über den Wolken ihre Leere. Denn egal wohin ich unterwegs sein mochte, war ich bereits zuhause und auf sicherem Grund.

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