Wie man mit Jesus Keime bekämpft

Wenn auch viele einen anderen Eindruck haben, so sind Pfarrfamilien ganz normale Familien, in denen manche den meisten Eltern bekannte Gesetzmäßigkeit gelten. Leider werden hier wie anderswo zum Leidwesen der Erziehungsberechtigten gerne die Familienregeln von den Sprösslingen in Frage gestellt. Da wird z. B. die Zubettgehzeit kreativ mit so mancher Maßnahme verlängert, die aufgetragenen Haushaltsaufgaben aufgrund dringender schulischer Angelegenheiten vergessen, und das leidige Händewaschen aufgrund zu „teurer“ Seife großzügig unterlassen.

Während wir oft stoisch auf die kleineren Abweichungen unserer Erziehungsprinzipien reagieren, ist es vor allem die hartnäckig anhaltende „Händewaschverweigerung“, die uns als Erwachsene aufstößt, wenn wir zum zigten Mal mit grollendem Unterton „Wasch dir die Hände, aber bitte mit Seife!“ sagen müssen. Bis dahin ist das Essen fast kalt und das Tischgebet muss ebenso warten.

„Wie also“, zerbrach ich mir den Kopf, „kann ich unseren Kindern klar machen, dass Händewaschen keine Tyrannei, sondern eine wichtige Notwendigkeit ist, die sie vor Keimen und Krankheiten schützt?“ Als mir ein Schild in die Hand fiel, seufzte ich erleichtert auf, denn es brachte nicht nur die Aufforderung zum Händewaschen mit sich, sondern lieferte passgenau und für Pfarrkinder verständlich die Erklärung unserer elterlichen Not: „Wash your hands and say your prayers, ´cause Jesus and germs are everywhere.“ („Wasch deine Hände und spreche deine Gebete, denn Jesus und Keime sind überall.“)

2017-08-26 10.27.47

Von klein auf lernten unsere Kinder Jesus als in ihrem Leben allgegenwärtig kennen. Als treuen Begleiter, der mit ihnen durch dick und dünn geht, und mit dem man selbstverständlich durch das Gebet spricht. Aber die lästigen Keime, die Krankheiten verursachen, waren für sie abstrakt, denn man konnte sie weder spüren noch sehen.

Als unsere Jüngste das Schild das erste Mal sah, sagte sie voll Inbrunst: „Mama, das wusste ich ja gar nicht!“ Ging zum Waschbecken und wusch sich ausgiebigst die Hände. Da bleibt nur zu hoffen, dass mit dieser theologischen Brücke die Diskussion rund um das Händewaschen ein für alle Mal der Vergangenheit angehört…

 

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