Von mutigen Freiheitskämpfern

Es war als ob ein rauher Faden durch meine leeren Hände glitt. Meine Augen starten wie gebannt auf die liebevolle Stickerei eines unbekannten jungen Mädchens, das vor über hundert Jahren dieses Stickbild aus Dankbarkeit hergestellt hatte. Nur zu gut kannte ich die Bewegung des Kreuzstichs. Schon hunderte Male hatten meine Hände die Bewegung im Grundschulalter vollführt während ich diesem geliebten Hobby nachging. Während Nadel und Faden aufgrund von Zeitmangel schon bald der Vergangenheit angehörten, war ich an diesem Vormittag seltsam bewegt während mich das abgebildete stereotypische Bild in sonderbarer Weise gleichsam berührte und verstörte. Die Stickerei war 1882 an den berühmten farbigen Freiheitskämpfer und Schriftsteller Frederick Douglass von einem Mädchen als Zeichen der Dankbarkeit geschickt worden. Zwei farbige Personen tanzten umrahmt von der Aufschrift „Any holder but a Slave holder“ auf orangefarbenen Hintergrund.

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Die gegenwärtige Ausstellung „Black Citizenship in the Age of Jim Crow“ der New-York Historical Society gibt tiefe Einblicke in die Geschichte des US-amerikanischen Rassismus und des Versuches, diesen zu überwinden. Die kleine, zunächst unscheinbare Stickerei hatte mich auf einer emotionalen Ebene aufgrund ihrer Alltäglichkeit besonders beeindruckt. Der fast bis zur Gegenwart (man denke an „Aunt Jemima Sirup“!) übliche Stereotyp „Jim Crow“ fand in dieser gut gemeinten Stickerei ebenso Verwendung. So tief hatten sich diese Vorstellungen im gesellschaftlichen Gedächtnis eingebrannt. Der Ausdruck Jim Crow war in den USA im 19. Jahrhundert die Bezeichnung für das Stereotyp eines tanzenden, singenden Schwarzen.

Der Freiheitskämpfer und Schriftsteller Frederick Douglass (1918-1895), der als Sklave geboren und durch eine mutige Flucht die Freiheit erlangte, inspirierte viele in diesem schweren Kampf um Freiheit und Gleichheit, die allen Geschöpfen Gottes gelten sollte.

Mehr dazu in meinem Sonntagsvlog: https://youtu.be/U2zCakm_UGk

Eine gesegnete Woche euch allen und liebe Grüße aus New York!

2019-02-10 Von mutigen Freiheitskämpfern

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