20/20 – von Sehvermögen und Gottvertrauen

„This is 20/20!“ Seit fast sechs Jahren schalte ich ab und an den Fernseher an einem stillen Freitagabend ein. Zumeist ist es während der Ausstrahlung der TV-Dokumentation „20/20“ des Senders ABC. Die Geschichten, die in scharfer Auflösung über  die Oberfläche unseres Fernsehers gleiten, beginnen oftmals beunruhigend alltäglich und entwickeln sich in wahre Albträume. Die betroffenen Personen geraten in diese nicht selten lebensbedrohlichen Situationen dadurch, dass sie nicht genau hinsehen.

Der Ausdruck „20/20“ beschreibt im amerikanischen Sprachgebrauch das optimale Sehvermögen. Entgegen dieser Alltagssprache beschreibt der medizinische Terminus 20/20 ein durchschnittliches Sehvermögen – diese Personen benötigen keine Brillen, Kontaktlinsen oder Korrekturen, um ohne Einschränkungen sehen zu können. Wird 2020 ein Jahr sein, indem wir „scharf“ sehen und umsichtig für uns und andere handeln? Indem wir keine Korrekturen oder andere Sehhilfen benötigen? Mit dem Ende des alten Jahres wird kaum eine Änderung unserer menschlichen Disposition zu erwarten sein. Angesichts der Angriffe auf Glaubensgemeinschaften in New York und Texas, der Abweisung und des Ertrinken von Flüchtlingen, der Übergriffe im Großen und Kleinen des ganz normalen Lebensalltages, wird dies wohl kaum zu erwarten.

Manchmal könnte man dann von seinem Glauben abfallen! Allein der Anstieg der antisemitischen Übergriffe im Staat New York und all die dadurch betroffenen jüdischen Glaubensgeschwister, mit denen ich privat und dienstlich eng verbunden bin, lassen mich stark daran zweifeln, dass alle Menschen in absehbarer Zukunft friedlich zusammen leben werden. Die Jahreslosung von 2020 aber belehrt mich in all diesen Zweifeln, dass ich einer Hilfe bedarf, die weit über mein eigenes Vermögen hinaus geht: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24)

Wenn mich diese Zweifel in die Tiefen ziehen, dann bin es nämlich ich, die aufgrund der Geschehnisse um mich herum, nicht mehr „scharf“ sehen kann. Nur der verzweifelte Ruf „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“, der einst dem Vater eines kranken Kindes entfuhr als er sich in seiner Verzweiflung an Jesus wandte, kann mich in einer solchen Situation retten und meinen Blick schärfen.

Möge Gott uns Angesicht der Turbulenzen, Geschehnissen und schweren Situationen, die das neue Jahr mit sich bringen wird, das Vermögen schenken, uns immer wieder vertrauensvoll Gott zuzuwenden, damit unser Blick durch Ihn wieder hoffnungsvoll klar und offen für Seine Pläne wird.

Nun hoffnungsvoll den Blick geschärft! Welcome to 2020!

Ich wünsche euch mit dem Offiziellen Video „Welcome to 2020“ von ABC Gottes reichen Segen für das neue Jahr.