#Hunters – von einer neuen Serie in einer Zeit des ansteigenden #Antisemitismus

Es war kaum Platz im Regal. Murrend schob ich das neue Spiel in einen kleinen Zwischenraum unseres Spielregals. Brettspiele sind ein wichtiger und freudiger Teil unserer knappen Familienzeit und eine wunderbare Möglichkeit, dem einerlei des Alltags zu entfliehen und in ganz neue Rollen zu schlüpfen. Selbstverständlich reiht sich in die Kollektion der Spiele auch das klassische Schachspiel ein, das unseren Sohn auf so manches Tournier begleitet hat.

Doch die Harmlosigkeit des Schachs wich gestern unvorhergesehen schnell und machte es zu einem makaberen Instrument des Hasses, als es gestern in mehreren Szenen über die Leinwand des Museum of Jewish Heritage glitt. Dort hatten sich mehrere hundert Menschen zum Preview der neuen Amazon-Serie Hunters und einer nachfolgenden Podiumsdiskussion mit Autor David Weil, Schauspieler Josh Radnor und Radiomoderatorin Jessica Shaw eingefunden.

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Die Serie spielt im New York von 1977. Dem Jahr, indem der erste Star Wars Film Premiere feierte. Doch die Harmlosigkeit eines Kinobesuches weicht schnell der Realität der damaligen Zeit: Drogen, Gang-Brutalität und finanzielle Nöte rücken schnell ins Auge des Betrachters, um dann umgehend einer noch größeren Gefahr Platz zu machen: der Bedrohung durch Nazi-Verbrecher, die in USA nach ihren Gräueltaten eine neue Heimat gefunden haben.

Jonah Heidelbach (Logan LermanThe Perks of Being a Wallflower, the Percy Jackson Filme), der Enkel einer Holocaust-Überlebenden, muss eines Abends mitansehen, wie seine geliebte Großmutter in ihrem Wohnzimmer von einem Einbrecher ermordet wird. Bis zu diesem Zeitpunkt war er noch wenig mit den Geschehnissen des Holocaustes in Berührung gekommen. Seine Großmutter, die in Auschwitz knapp dem Tod entronnen war, hatte ihm wenig über diese Zeit erzählt. Doch der Verdacht eines simplen Einbruchs mit Todesfolge weicht schnell der beunruhigenden Entdeckung, dass Nazi-Verbrecher weiterhin in tödlicher Weise agieren und in USA ein gefährliches Netz der Bedrohung in einflußreiche Bereiche der amerikanischen Gesellschaft spannen.

Als der traumatisierte Jonah den Freund seiner Großmutter Meyer Offerman (Al Pacino) besucht, finden sie sich zum einem Schachspiel ein. Bei einer schnell gespielten Partie erklärt Meyer Offerman dem bis dato unwissenden Jonah, dass es sich mit der Geschichte wie mit einem Schachspiel verhalte: Es würde immer wieder eine weitere Runde geben, die mit neuen Spielern versehen sei. Bei jedem neuen Spiel hoffe man auf einen anderen Ausgang… 

Kurze Zeit später entdeckt Jonah, dass Meyer Offerman der Kopf einer Gruppe ist, die Nazis jagt und der seine Großmutter angehörte. Nachdem er selbst fast in die Fänge des Mörders gerät, schließt er sich dieser Gruppe an. Welche weiteren Facetten Schach in der ersten Folge spielt, bleibt dem Leser selbst beim Ansehen der Serie herauszufinden.

Die Serie, die am 21. Februar auf Amazon veröffentlicht werden wird, hat eine unglaubliche Brisanz in einer Zeit, in der ein Anstieg antisemitischer Straftaten weltweit stattfindet. Allein in New York verzeichnete die NYPD einen Anstieg um 26% im vergangenen Jahr mit einer schockierenden Kumulation im Dezember.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprach Autor David Weil, selbst Nachfahre von Holocaust-Überlebenden, von der Entstehung der Serie, die nicht nur hochkarätig besetzt ist, sondern durch Fachpersonen engmaschig begleitet wurde. Das Museum of Jewish Heritage öffnete hierzu zum Beispiel seine Türen zur gegenwärtigen „Auschwitz“ Ausstellung und diente als wichtige Quelle für die Erforschung dieser Zeit. Wenn auch einige Szenen der künstlerischen Vorstellung entspringen, so machen sie die Brutalität der einstigen Nazi-Agitatoren transparent. Sie mögen vielleicht in Auschwitz kein Schach mit Menschen als Figuren gespielt haben, aber, so berichtete Weil, gab es Nazi-Funktionäre, die aus reiner Lust Kindern und Jugendlichen zur Folter Zähne ausrissen.

Es gibt viel zu sagen und noch mehr nachdenken über die ethische-moralische Dimension des dargestellten Vergeltungshandelns. Dies soll auf keine Weise in Abrede gestellt werden und wird, soviel sei hier verraten, in den darauffolgenden Episoden in all seinen Facetten aufgezeigt werden. Aufgrund der dargestellten Gewalt ist die Serie in Deutschland erst ab 16 Jahren freigegeben, in USA ab 17.

Mich hat dieser Film bis spät in den Morgen hinein beschäftigt. Nicht nur aufgrund der sehr bildlichen Darstellung, sondern vor allem aufgrund der durchaus greifbaren Bedrohung des ansteigenden Antisemitismus. Wenn in der „neuen“ Schachpartie der Geschichte und Gegenwart wirklich alle Spieler ausgetauscht wurden, so müssen wir als Spieler darauf achten, dass Haßgedanken und -taten nicht die Oberhand erlangen werden.