Vulkan-Eier, Erdbeben und Osterjubel

Voller Angst klammerten sich die drei Frauen aneinander während ein Erdbeben die steinige Umgebung des Gräberberges erschütterte. Die sonst unerschütterlichen römischen Wachen fielen vor Angst wie tot um.

Nach dem Bericht des Evangelisten Matthäus platzte die Nachricht der Auferstehung Jesu (Mt 28,1-8) in das Leben seiner Nachfolgerinnen wie ein alles erschütterndes Naturereignis. Unklar bleibt innerhalb des biblischen Berichtes, um welches faktische Ereignis es sich genau gehandelt hatte. Diese Ungenauigkeit beflügelte just die Fantasie der naturwissenschaftlich Interessierten unserer Familie. Was, wenn es sich wie in Pompeji, als Ursache um die Vorstufe eines sich anbahnenden Vulkanausbruch handelte? Dann musste die Osterkrippe unbedingt um dieses Vulkan-Accessoires erweitert werden.

Gesagt, getan. Kurze Zeit später thronte unmittelbar neben dem offenen Grab ein Vulkan. Aufgrund der österlichen Szene selbstverständlich als explosionsgefährdetes Vulkan-Osterei, das die Erklärungsnot der naturwissenschaftlich interessierten Familienmitgliedern befriedigte.

Jetzt konnte es endlich Ostern werden und der Engel den Frauen die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu verkünden.


Herstellung der Vulkan-Eier:

Anbei ein kleiner Videolink zur Herstellung eines Vulkan-Eis.

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Biblische Ohrfeige am Spülbecken

Weißer Schaum quoll aus dem gelb-blauen Spülschwamm. Ich stand bereits einige Zeit fleißig spülend über dem tiefen Spülbecken gebeugt. Doch der Berg an dreckigen Kuchenformen, Schüsseln und Geschirr baute sich nur langsam ab. Der Anblick rief bei mir keine Begeisterung, geschweige denn ein Lächeln hervor. Mir war eher zum Weinen zumute. Aber es half nichts.

Wie gut, dass der neue Spülschwamm so gut zu Diensten war. „Scrub Mommy“ stand auf der schrillen orangefarbenen Verpackung als ich vor wenigen Tagen an einem Supermarktregal vorbeilief. Flux fand der Artikel im Vorübereilen einen Platz in meinem Einkaufskorb. Man konnte ja nie wissen…

Nun lachte ich still in mich hinein. „Scrub Mommy“. Nomen est omen. Jetzt schrubbte ich, dass die Spülseife nur so aus dem Schaumstoff hervorquoll.

Während ich vor mich hin jammerte und mein Dasein als “ Schrubb-Mama“ der letzten Backorgie meiner Kinder bedauerte, fixierte mein Blick unseren Besteckkorb, der wie unser Kühlschrank gefüllt und fertig für den Verzehr von Speisen und des im Ofen befindlichen Backwerks stand.

Hungern mussten wir nicht, noch uns darum sorgen, was wir am kommenden Tag essen würden. Dies ist für viele andere Menschen keine Selbstverständlichkeit- hier in den USA kenne ich einige Familien, die sich sorgen, wie sie ihre Kindern am nächsten Tag ernähren konnten. Meine Hand hielt überrascht mitten im Spülen inne während eine Bibelstelle sich in den Vordergrund meiner Gedanken schob.

Jesus Christus hob in der Bergpredigt (Lk 6) Menschen hervor, die aufgrund ihres niedrigen sozialen Standes und ihres Schattendaseins in der Gesellschaft übersehen werden. Ihnen wird in einer konsumorientierten und von Hierarchie geprägten Gesellschaft keine Aufmerksamkeit geschenkt. Der Gottessohn aber wendete sich gerade diesen Ausgegrenzten, Marginalisierten und Benachteiligten zu und stellte sie in den Mittelpunkt göttlicher Verheißung. So auch diejenigen, die Hunger leiden: „Selig seid ihr, die ihr hungert; denn ihr sollt satt werden.“ (Lk 6,21).

Und ich klagte über das bisschen Abspülen? Eine derbe und unvorhergesehene Erinnerung an das, was wirklich wichtig und bedeutend war. Anstatt in „Erste-Welt-Probleme“ zu versinken, sollte ich das Notwendige schnell hinter mich bringen, um meine Kraft denen in meinem Umfeld zuzuwenden, von denen Jesus in der Bergpredigt sprach.

Plötzlich verstummte alles Jammern in mir. Ich nickte still in mich hinein. Diese biblische Ohrfeige am Spülbecken saß.

Ich tauchte den Schwamm tief in das Spülwasser ein und widmete mich doppelt so schnell dem dreckigen Geschirr um meine Zeit wichtigerem zuwenden zu können.

Kuriose Büros, stille Örtchen und mancherlei menschliche Geschäfte

Zimt und Vanilledüfte erfüllten vielversprechend das kleine Café, das mitten im Herzen Chelseas lag, als ich durch die unscheinbare Tür hindurch trat. Der langgezogene Gang lockte mich magisch in das Innere vorbei an verlockenden süßen und salzigen Gebäckstücken. Unweigerlich lief mir das Wasser im Mund zusammen.

Wie zumeist bestellte ich die vertrauten Dinge und machte es mir im hinteren Teil des Cafés mit den soeben erstandenen Leckereien gemütlich. Bunte Farben waberten über dem neugestalteten Gastbereich hin und her und unterstrichen den vielschichtigen Duft frischer Backwaren.

Mein Blick schweifte umher und blieb mit einem Schmunzeln am frisch gestrichenen Büroschild hängen. Ob andere Besucher wüssten, welches besondere Büro sich hinter dieser Tür befand? Ich lachte still in mich hinein.

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Selbstverständlich wurden in diesem Büro wie in jedem anderen Geschäfte abgewickelt. Manche leise, manche geräuschvoll. Einige ohne Spuren zu hinterlassen, andere hingegen … Nun ja… Dieses Büro war ein stilles Örtchen für so manches Geschäft.

Bleibt nur zu hoffen, dass keine anderen Geschäfte darüber hinaus dort abgewickelt wurden. Und die Spuren der erledigten menschlichen Geschäfte mit einem Zwischenstop am kleinen Waschbecken fein säuberlich den Abfluss hinuntergespült worden waren.

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Von kreativen Valentinstagsgeschenken und kuriosen Liebesbotschaften

Die Tage wurden langsam länger. Nach einem kalten Winter sehnte ich mich nach wärmeren Temperaturen, Sonnenlicht und einem ausgiebigen BBQ im Freien.

Auch in den Geschäften kündigten sich langsam wärmere Temperaturen an, die sich zunächst von innen einen Weg in das graue Februareinerlei bahnten. Valentinstag. Jenseits des inzwischen allseits präsenten Kommerzes um eine katholische Heiligensage bot dieser Tag zugegebener Maßen eine gute Gelegenheit, es lieben Menschen nah und fern etwas warm ums Herz werden zu lassen bis schließlich in wenigen Wochen auch die äußeren Temperaturen anstiegen.

Aus diesem Grund hatte es mich in eine kleine Drogerie gelockt, um dort eine Karte für liebe Freunde zu erstehen. Nach eifrigen Stöbern durch mehrere rosa-rot und pink bis zum Bersten gefüllte Kartenregale wurde mein Blick durch die Magie schlauer Regalstrategen auf eine Auswahl von Valentinsgeschenke gezogen. Neben flauschigen Herzkissen, Süßigkeiten in Rosenform und Küssen aus Schokolade, prangte im Regal in satten Brauntönen ein Exkrementehaufen, der mir erwartungsvoll lächelnd entgegenblickte.

Der glückliche Käufer konnte den in Form von menschlichen Ausscheidungen gestalteten Prozellanbehälter mit roten Herzgummibärchen füllen und einer ausgewählten Person überreichen, um seinen Gefühlen einen unvergeßlichen Ausdruck zu verleihen. Ob der künstliche Kirschgeschmack den Beschenkten über den Schock des Behälters und der impliziten Botschaft hinwegtrösten würde?

Als Ausdruck tiefer Liebe würde ich dieses einzigartig kreative Valentinsgeschenk einem Geschenkesuchenden nicht anempfehlen. Jedenfalls nicht, wenn es sich um einen Ausdruck innigster Liebe handeln sollte.

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Von simplen Geheimnissen und Kaffeegebeten

Müde starrte ich in den Schein der weißen Kerze, die mir trotzig helles Licht entgegen schien. Eigentlich war mir so ganz und gar nicht nach Frühstück zumute, aber nachdem ich unsere Kinder erfolgreich auf ihren Schulweg gesandt hatte, war nun etwas Zeit selbst eine Kleinigkeit zu essen. Ein langer und sehr ambivalenter Abend lag hinter mir. Die scharfen Worte und diskutablen Äußerungen hatten mich in der Nacht kaum zur Ruhe kommen lassen und eine schmerzhafte Kälte in meinem Herzen hinterlassen. Verschlafen rieb ich mir die Augen und wickelte die Finger um den Körper der neuen Tasse, die mir meine Jugendleiterin zu Weihnachten geschenkt hatte. Als der erste Kaffee warm und weich in meiner Kehle nach unten rann, wurde ich von einer ersten wohltuenden Wärme erfüllt. Verschlafen betrachtete ich die Aufschrift der Tasse: „My secret is simple: I pray.“ – „Mein Geheimnis ist simpel: Ich bete.“

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Spuren dieses simplen Geheimnisses durchziehen die Heilige Schrift, die Liturgie unserer Kirchen, und sollten ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltagslebens als Christen sein. Doch wie oft hetzen wir eilig von einer Verpflichtung zu nächsten, während die Kälte dieser schmerzhaften Welt in unserem Herzen verweilt?

Doch an diesem Morgen bahnte sich aufgrund meiner inneren Erstarrung unverhofft etwas Zeit in einen eigentlich komplett dicht durchgeplanten Tag. Dieser Morgen glich in vielerlei Weise der Situation des Beters von Psalm 6: Er war erschrocken und müde von seiner bedrückenden Situation- Seufzen, Tränen und Gram belasteten ihn sehr. Doch gerade in dieser schwierigen Situation wusste er um einen unschätzbaren Trost, der ihm Kraft geben konnte. Zuversichtlich sprach er von dieser Ermutigungsquelle in seinem Leben: „Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an.“ (Vers 10)

Zaghaft formte sich ein kleiner, ermutigender Gedanke in meinem Innersten: Jeden Schluck wärmenden Kaffees wollte ich mit einem kleinen Gebetsanliegen verbinden, damit die Kälte des Abends und der durchwachten Nacht der Wärme und Güte des Gebets weichen würde.

Schluck um Schluck stieg mein Gebet zu Gott empor. Als ich die Tasse schließlich absetzte, hatte ich zarte Anfänge neuen Mutes gefasst. Nun war ich trotz allem bereit für diesen Tag. Egal was noch kommen würde, so wusste ich, dass mein simples Kaffeegebet mir neue Kraft verleihen würde.


Kaffeegebet

Herr,

wie meine Hände den warmen Körper der Kaffeetasse umschließen und wohlige Wärme über meine kalten Finger in den Körper strömen,

so lasse mich stets Deine wärmende Nähe suchen, damit sie die Kälte dieser Welt durchbricht, die mich in den Griff genommen hat.

Mit jeden Schluck warmen Kaffees nimm die Sorgen meiner Seele von mir,

und wie das warme Getränk meinen Körper erfüllt,

so ersetze die Nöte mit der Hoffnung Deiner Liebe, die mir durch Christus entgegenkommt.

Und wenn die Tasse leer und aller Kaffee getrunken ist, so lasse mich ermutigt und mit neuer Zuversicht in den Tag gehen.

Amen.

Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über

Wütend zerzauste ich mir die Haare während ich mehrfach dieselbe Nachrichtensendung von CNN auf meinem Mobiltelefon ansah. Fast schien es sich um einen schlecht gelungener Scherz zu handeln, der sich im handlichen Format auf dem kleinen Gerät abspielte. Die Worte, die aus dem Mund des angeblich mächtigsten Menschen dieser Welt herausquollen, konnten nicht der Realität entspringen: „Warum lassen wir Menschen aus …loch Ländern zu uns kommen?“ (1)

In einem Treffen mit juristischen Abgeordneten äußerte Donald Trump laut der Washington Post diese unglaublich inadäquate und übergriffige Aussage, wobei er Bezug auf afrikanische Länder und Haiti nahm. Kurz zuvor hatten die anwesenden Abgeordneten die Idee eines Schutzes von Immigranten aus Haiti, El Salvador und Afrika geäußert und damit die zornige Aussage des Präsidenten hervorgerufen, die schließlich in den Aufruf Immigranten aus Norwegen zu favorisieren mündete.

Sprachlosigkeit und eine schmerzende Schwere machte sich in meinem Herzen breit. Mein Pate, der als junger Haitianer mit seiner Familie in die USA immigriert war, ist einer der wohl integersten, gebildetsten Männer, die ich je kennenlernen durfte. Seine Weisheit und ruhige Umsicht haben mein Leben mit geprägt. Loyal hatte er als US-Soldat sein ganzes Leben in den Dienst dieser großen Nation gestellt. Er hatte den Vietnam-Krieg überstanden, diente an verschiedenen Orten, half vom Krieg zerstörte Ökonomien mit aufzubauen und trug stoisch die Auswirkungen seines schweren Dienstes für das Land, das ihn einst als Immigrant aufnahm.

Still wünschte ich mir, dass Trumps Bibel zufällig beim Gleichnis um den Baum und seine Früchte auffallen möge, in dem Jesus von den Glaubensfrüchten eines Menschen spricht. An den Worten eines Menschen lässt sich nach Jesu Aussage erkennen, mit was dessen Herz angefüllt ist. „Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ (Lk 6,45)

2016-08-03 17.32.50

 


(1) Wortlaut gemäß Washington Post: “Why are we having all these people from shithole countries come here?”, vgl. https://www.washingtonpost.com/politics/trump-attacks-protections-for-immigrants-from-shithole-countries-in-oval-office-meeting/2018/01/11/bfc0725c-f711-11e7-91af-31ac729add94_story.html?hpid=hp_hp-top-table-main_trumpmeeting-445pm%3Ahomepage%2Fstory&utm_term=.17f3a1208093